2002

Hochzeit der Apollofalter

Moseltal bei Valwig
Moseltal bei Valwig

Der NABU Herne hatte im Juni 2002 eine Fahrt zum Apolloweg in Valwig für ein Wochenende unternommen. Die Gemeinde Valwig liegt 2 Km südwestlich von Cochem direkt an der Mosel. Das warme Flusstal mit seinen süd- und südostexponierten Hängen bietet nicht nur dem Wein ideale Wuchs- und Reifebedingungen, vielmehr können hier eine Vielzahl von seltenen Tieren und Pflanzenarten entdeckt werden, die diesen klimatischen Bedingungen angepasst sind. Eine Besonderheit ist der Moselapllo. Im Juni blüht die Futterpflanze der Apollofalterraupe, der weiße Mauerpfeffer (Sedum album). Dieser wächst überwiegend in den Ritzen und Höhlungen von Trockenmauern der Weinberge. In Valwig werden diese Gesteinsgebilde erhalten und nicht durch glatte Betonmauern, wie in anderen Gemeinden ersetzt. So führt oberhalb des Dorfes ein Weg durch die Weinberge, wo der Star unter den hiesigen Tierwelt, der Moselappollo mit dem wissenschaftlichen Namen Parnassius apollo vinningensis zu bewundern ist. Eine kleine Gruppe von Hobbyfotografen wollte endlich den selten Schmetterling auf Film bannen. Dazu wurden am Freitag zwei unserer Gruppe schon eimal vorgeschickt, um den Apollofalter zu suchen, damit er sich für die Anderen in Positur setzen konnte. Norbert der Vorsitzende vom NABU Herne folgte am Samstag mit seinem Anhang, der aus einer Gruppe von 5 Leuten bestand. Es wurde sich sofort zu der Stelle aufgemacht, an der der begehrte Tagfalter gesehen wurde. Den Aufstieg versüßten uns Mauereidechsen (Podarcis muralis), Tagpfauenaugen (Inachis io) und der Admiral (Vanessa atlanta). Dann endlich war der Apolloweg erreicht. Jetzt packten auch die letzten ihre Kamera aus dem Rucksack und machten sich schussbereit. Wir waren gerade ein paar Meter auf dem besagten Weg unterwegs, da wurde schon die ersten Seltenheiten gemeldet. Eine kleine schwarze Hummel, es handelte sich um einen Schwarzen Wollschweber (Bombylius later), sonnte sich auf einem Stein in der Sonne. Im Gegensatz zu diesem kleinen schwarzen Kerl sahen wir ein Stück weiter eine Rote Mordwanze (Lacerta muralis) und die Schlingnatter (Coronella austriaca) verschwand bei unserem Näherkommen schnell in einer Mauerritze. Einige Schmetterlinge setzten sich auf die Blüten oder legten ihre Eier im Schlehenbusch ab. Hierbei konnten wir zum Beispiel den Braunen Eichenzipfelfalter (Satyrium ilicis) fotografieren. Ja, die einzigen die sich zu keiner Rast ermutigen ließen, waren Segelfalter (Iphiclides podalirius) und unser heiß ersehnter Appolofalter.  Diese beiden flogen unermüdlich den Weinberg rauf und runter. Wir schauten etwas dumm hinterher, aber trotzdem waren wir froh, ihn gesichtet zu haben.

Erst am folgenden Tag bot sich uns die Gelegenheit, unseren lang ersehnten Wunsch zu realisieren. Mitten auf dem Weg saß ein Apollofalterpaar bei der Hochzeit. Alle Müdigkeit war vergessen. Es wurde aus jeder Lage und aus allen Rohren fotografiert, was die Batterien hergaben. Diejenigen, die nicht mit dem Ablichten beschäftigt waren, mussten Filme nachreichen, und den Weg freihalten, denn es gab hier einige Spaziergänger. Diese wunderten sich, dass sechs Leute mit Fotoapparaten auf dem Bodenlagen. Für uns war es das Erlebnis schlecht hin, denn keiner hatte je damit gerechnet die Hochzeit vom Apollofalter je vor die Linse zu bekommen. Die Naturfreunde feierten das Ereignis, wie es sich für eine richtige Hochzeit gehört, mit reichlich Moselwein.

Die Sensation: Apollofalter bei der Paarung fotografiert
Die Sensation: Apollofalter bei der Paarung fotografiert

Alle Teilnehmer sind der Meinung, dass die Apollotour im nächsten Jahr wiederholt werden muss, denn solch ein Erlebnis sollte nicht einmalig sein.

Verfasser: Elisabeth und Wolfgang Postler